Willkommen!

»Die Schweiz ist unerschöpflich. Es ist doch noch niemand von dort zu mir gekommen, der mir nicht etwas ganz Neues davon erzählt hätte.« (Jean Paul)

Schneebedeckte Viertausender und südländiche Gestade, erlesene »Schoggi« und löchriger Käse, tiefe Banktresore und präzise Zeitmesser, mondäner Skizirkus und volkstümliche Alphornbläser, die legendäre Pünktlichkeit der SBB und ein maßstabsetzende Gastgewerbe, Wilhelm Tell und Heidi - Assoziationen, die sich unweigerlich mit der Schweiz verbinden. Mit 26 Voll- und Halbkantonen sowie vier Sprachregionen steht der Alpenstaat gleichermaßen für Einheit und Vielfalt. Zwischen Bodensee und Lago Maggiore, zwischen Engadin und Jura gilt es eine Mannigfaltigkeit an Landschaften, markante Kantonshauptstädte und lebendiges Brauchtum, reiche Kulturschätze und kulturelle Eigenheiten der verschieden Bevölkerungsgruppen zu entdecken.

In der Deutschschweiz kann man Großstädte wie Basel, Bern, Zürich und Luzern, aber auch reizvolle Bauerdörfer, hügeliges Voralpenland, zahlreiche Seen und Hochgebirge erleben. In der französischen Schweiz, von Lausanne oder Genf aus, lassen sich alte Abteien oder mondäne Kurorte, sanfte Weinhänge am Genfer See oder die Waadtländer Alpenwelt entdecken. Und Genf selbst wirkt wie ein Klein-Paris. Auch die italienische Schweiz, das Ticino, bildet eine Kulturlandschaft für sich. Die mediterrane Vegetation, Grotti und schlanke Campanile prägen den Süden. Das Bündernerland schließlich wartet mit seiner ganz eigenen rätoromanischen Kultur und mit landschaftlichen Superlativen auf.

Die Kulisse der Schweiz mit Gipfeln und Gletschern, Seen und Wasserfällen, Schluchten und Höhlen, Almwiesen und Palmengärten ist so dominierend, daß darüber oftmals Kunst-und Kulturleben unbeachtet bleiben. Am Schnittpunkt deutscher, französischer und italienischer Kultur konnte sich dies- und jenseits des »Röstigrabens« in der Kunst ein erstaunlicher Formenreichtum entwickeln. Ausländische Künstler, von Hans Holbein d. J. bis Ernst Ludwig Kirchner, haben sich in der Schweiz niedergelassen und neue Inspiration gesucht, während Schweizer Kulturschaffende wie Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer oder Jean-Jacques Rousseau der europäischen Kultur bedeutende Impulse gegeben haben. Das kleine Alpenland verfügt über eine Fülle von Kunstdenkmälern, die von den Zeugnissen der Römer bis hin zu großartigen Museen und zeitgenössischen Kunstsammlungen reicht. Bauten aus romanischer und gotischer Zeit, aus Renaissance und Barock, Stadt- und Ortsbilder mit Patrizier-, Bürger- und Bauernhäusern sind Spiegelbilder vergangener Epochen. Da soll noch jemand sagen, daß die Schweiz ein kultureller Holzboden sei.

Dichtung und Wahrheit gehen bei der Gründung des Alpenstaates Hand in Hand. Fraglich ist, ob der böse Landvogt Gessler und selbst der Freiheitsheld WilhelmTell existiert haben. Und somit gehören auch der legendäre Apfelschuß, der Tyrannenmord in der Hohlen Gasse bei Küssnacht und der Rütlischwur am Ufer des Vierwaldstätter Sees ins Reich der Sagen. Gewiß ist nur, daß die Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden 1291 gegen die Fremdherrschaft der Habsburger den »Ewigen Bund« ausrufen und damit die Schweizereische Eidgenossenschaft begründen. »Ein einzig Volk von Brüdern« geloben die Urväter der Demokratie zu sein. Bis 1971 dauert es dann allerdings - in Appenzell gar bis 1991 -, bis auch die Schweizer Frauen als demokratietauglich befunden werden. Ein kleiner Makel auf der sonst blütenweiße Weste dieser vorbildlichen Demokratie.

Lange Jahrhunderte war die Schweiz »terra incognita«, denn den frühen Reisenden präsentierte sie sich als wild und unzugänglich. Woher man sich auch näherte: Stets stellten sich sofort oder zumindest recht bald die Berge als Hindernis in den Weg. Doch als im ausgehenden 19. Jh. zunächst die Engländer die Bergwelt eroberten, entwickelte sich das arme Agrarland schnell zum Touristenland Nr. 1. Zuvor wertlose Felsmassive und Eiswüsten wurden zum größten Kapital des rohstoffarmen Landes. Den Mangel an Bodenschätzen wußten eidgenössischer Einfallsreichtum und Unternehmergeist wettzumachen; der Bauernstaat mauserte sich zum hochtechnisierten Standort mit internationalen Verflechtungen. Hinter der Kulisse reizvoller Städte und einer bezaubernden Natur verbirgt sich ein ausgesprochener Industriestaat, nicht aber ein liebevoll hergerichtetes Freilichtmuseum.

Daten

Steckbrief Schweiz
Geographie

Lage: Die Schweiz erstreckt sich nördlich und südlich der Alpen. Sie grenzt an Deutschland im Norden, Österreich und das Fürstentum Liechtenstein im Osten, Frankreich im Westen und Italien im Süden
Landesnatur: Der Binnenstaat ist das gebirgigste Land Europas. 60 % der Fläche nehmen die Alpen ein, im Norden schließt sich das Schweizer Mittelland an (30 %), im Nordwesten das Mittelgebirge des Jura (10 %). Höchste Erhebung: Monte Rosa (4.634 m)
Längster Fluß: Rhein (375 km)
Fläche: Mit 41.293 km2 nimmt die Schweiz nicht einmal ein Zehntel der Fläche Deutschlands ein
Hauptstadt: Bern.

Bevölkerung

7 Millionen Einwohner, davon sind fast 20% Ausländer. Je km2 leben im Durchschnitt 170 Einwohner
Sprachen: Offizielle Landessprachen sind Deutsch (64 %), Französisch (19 %), Italienisch (8 %) und Rätoromanisch (Rumantsch 0,6 %)
Religion: Knapp 90 % der Bevölkerung sind Christen ca. zur Hälfte Protestanten und Katholiken.

Wirtschaft

Die Schweiz hat keine Rohstoffe, verfügt aber denonoch über eine hoch entwickelte Volkswirtschaft. Nur noch 5 % der Erwerbstätigen arbeiten in der Landswirtschaft. Knapp 30 % sind in der Industrie beschäftigt wichtigste Industriezweige sind die chemisch-pharmazeutische Industrie, der Maschinenbau, die Uhrenindustrie und die Textilindustrie. Gut 65 % arbeiten im Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Tourismus), Hauptsäule der Wirtschaft und wichtigster Devisenbringer.

Politik und Verwaltung

Staatsform: Die Schweiz ist ein parlamentarischer Bundesstaat mit 26 Teilstaaten (Kantonen), die über eine hohe Autonomie verfügen
Name: Schweizerische Eidgenossenschaft.

Anreise

Zur Einreise in die Schweiz benötigen deutsche Staatsbürger einen Reisepaß (weniger als 1 Jahr abgelaufen) oder einen gültigen Personalausweis. Kinder bis 10 Jahre: Kinderausweis ohne Fotografie
bis 16 Jahre: Kinderausweis mit Fotografie oder Eintrag im Familienpaß. Österreichische Staatsangehörige benötigen zur Einreise in die Schweiz entweder einen Reisepaß (nicht länger als fünf Jahre abgelaufen) oder einen gültigen Personalausweis.

Zoll

Bei der Einreise in die Schweiz sind pro Person zollfrei: Persönliche Habe wie Kleider, Toiletten- und Sportartikel, Foto- und Videokameras mit Filmen, Campingausrüstungen usw. sowie Reiseproviant für einen normalen Tagesbedarf. Rauchwaren: 200 Zigaretten oder 50 Zigarren oder 250 g Pfeifentabak. Alkoholische Getränke: 2 l mit Alkoholgehalt unter 15 % (Bier, Wein), 1l mit Alkoholgehalt über 15 % (Schnaps). Andere Waren zu Geschenkzwecken bis zu einem Gesamtwert von sfr. 100,- (für Fleischwaren gelten besondere Bestimmungen). Personen unter 17 Jahren dürfen je die Hälfte zollfrei einführen. Für die Ein- und Ausfuhr von Devisen bestehen keine Vorschriften.

Anreise
Mit dem Auto

Die Schweiz ist bequem auf dem Fernstraßennetz bzw. über die europäische Nord-Süd-Transitachse zu erreichen: Über den Bodensee verkehren Autofähren von Meersburg nach Konstanz/Kreuzlingen und von Friedrichshafen nach Romanshorn, Weiterfahrt jeweils Richtung Winterthur - Zürich. Zur Einreise in die Schweiz benötigen Autofahrer Paß oder Personalausweis, Fahrzeugausweis und nationalen Führerschein
das Auto muß mit einem Nationalitätenkennzeichen (D, A) versehen sein. Detaillierte Auskunft über Straßennetz und -zustand gibt der Automobil-Club der Schweiz (ACS), Wasserwerkgasse 39, CH-3000 Bern 13, Tel. 031/328 31 11, Fax 311 03 10.

Die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn beträgt 120 km/h. Spikesreifen sind auf Autobahnen verboten. Autobahnen und Autostraßen verfügen über Notrufsäulen. Auf Autobahnen und in Städten kann rund um die Uhr an vielen Tankstellen mit 10- und 20-Franken-Scheinen Benzin bezogen werden.

Auf Schweizer Autobahnen ist die Autobahnvignette zum Preis von sfr.40,- (Autobahngebühr) obligatorisch. Sie gilt von Dezember bis Januar des übernächsten Jahres und ist erhältlich bei Postämtern, Tankstellen und Automobilwerkstätten in der Schweiz sowie bei Automobilclubs und den Vertretungen von Schweiz Tourismus in Deutschland und Österreich.

Mit der Bahn

Euro-, Intercity- und einige ICE-Züge verkehren täglich mehrmals ab den größeren Städten Deutschlands und Österreichs nach Basel und Zürich
Platzreservierung wird empfohlen. Ab Hamburg, Berlin, Dresden und Leipzig verkehren Nachthotelzüge (City Night Line) nach Basel, von Wien ein Nachtzug nach Zürich. An allen größeren deutschen und österreichischen Bahnhöfen kann das Gepäck bis zum Zielbahnhof aufgegeben werden. Von Hamburg, Hannover, Berlin, Düsseldorf und Köln verkehren Autozüge nach Lörrach bei Basel.

Mit dem Flugzeug

Swissair, Lufthansa und Austrian Airlines bieten täglich Direktflüge ab den meisten Flughäfen in Deutschland und Österreich nach Zürich an. Das Umsteigen auf die Bahn erfolgt direkt im Flughafenareal. Auskunft erteilen die Swissair in Zürich, Tel. 01/816 22 11 oder die Agenturen der Luftfahrtgesellschaften in Deutschland und Österreich. Mit »Fly Rail Bagagge« kann das Gepäck auf Flügen mit jeder nationalen Fluggesellschaft bis an den Zielort befördert werden, bei der Rückreise ist der Check-in an den größeren Bahnhöfen möglich. »Fly Rail Bagagge« ist an Swissair-Schaltern oder bei den Vertretungen von Schweiz Tourismus erhältlich und kostet sfr. 20,- pro Gepäckstück und einfachen Flug.

Unterwegs
Mit dem Auto

Das Straßennetz der Schweiz, inkl. Nebenstraßen, ist sehr gut ausgebaut. Zahlreiche größere Ferienorte sind per Autobahn oder Autobahnzubringer zu erreichen Viele Pässe sind normalerweise von Ende November bis Ende Mai gesperrt. Im Winter sind in den Bergregionen Schneeketten unbedingt zu empfehlen. Aktuelle Informationen über den Straßenzustand erteilt Tel. 163. Zudem strahlen die meisten Radiostationen Straßenzustands- und Verkehrslageberichte aus (vor oder nach den Nachrichten sowie nach Bedarf).

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt innerorts (in geschlossenen Ortschaften) 50km/h, auf Landstraßen 80km/h, auf Autobahnen 120km/h. Für Fahrzeuge mit Anhänger gilt generell 80km/h, ebenso für Wagen mit Spikesreifen, die jedoch nur von November bis März zugelassen und auf Autobahnen generell verboten sind. Kreuzen sich Fahrzeuge auf engen Bergstrecken, hat das bergwärts fahrende Auto Vorfahrt.

In der ganzen Schweiz gilt Anschnallpflicht
Motorradfahrer haben einen Helm zu tragen. Der zulässige Alkoholgrenzwert beträgt 0,8 Promille. Während der Autofahrt dürfen ausschließlich Freisprech-Telefonanlagen benutzt werden. Bei Unfällen mit Personenschaden muß die Polizei (Tel. 117) benachrichtigt werden, über Tel. 144 ist der Sanitätsnotdienst, über Tel. 140 der Pannendienst erreichbar. Benzin - bleifrei und bleihaltig - kostet etwas weniger als in Deutschland und Österreich, Diesel etwas mehr. An vielen Tankstellen ist Benzin nur noch über den Automaten mit 10- oder 20-Franken-Scheinen und/oder Kreditkarte erhältlich.

Mit der Bahn

Das öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut, auch abgelegenere Orte sind leicht zu erreichen. Einfache Fahrkarten gelten einen Tag (bis 80 km Distanz) bzw. zwei Tage, Rückfahrkarten einen Tag (bis 36 km), zwei Tage (bis 80 km) bzw. einen Monat. Kinder fahren gratis (bis 6 Jahre) oder zum halben Preis (6-16 Jahre). Daneben gibt es etliche Vergünstigungsangebote, die ebenfalls andere öffentliche Verkehrsmittel einschließen.

Swiss Card: Freie Fahrt ab Schweizer Grenze oder Flughafen bis zum Zielort, beliebig viele Fahrten zum halben Preis (Bahn, Schiff, Postauto), viele Bergbahnen gewähren ebenfalls Ermäßigungen. Gültig 1 Monat, nur im Heimatland erhältlich.

Swiss Pass: Freie Fahrt auf den meisten Bahn-, Schiff- und Postauto-Strecken sowie im öffentlichen Verkehrsnetz der größeren Städte, Preisermäßigungen auf privaten Busstrecken und Bergbahnen. Gültig 4, 8 oder 15 Tage bzw. 1 Monat, nur im Heimatland erhältlich. Kostenlos wird zu Swiss Card und Swiss Pass die STS-Familienkarte abgegeben: Kinder bis 16 Jahre reisen in Begleitung ihrer Eltern gratis
Kinder, die nicht zur Familie gehören, 50 % billiger. Gültig 1 Jahr, Preis sfr. 20,-.

Swiss Flexi Pass: Gleiche Bedingungen wie Swiss Pass, aber nur an drei frei wählbaren Tagen innerhalb von 15 Tagen gültig.

Halbpreis-Abonnement: Beliebig viele Fahrten (Bahn, Postauto, Bergbahn, Schiff) zum halben Preis mit dem Erwerb einer Tageskarte gilt das Abo während eines Tages als Netzkarte mit freier Fahrt. Gültig 1 Monat (sfr. 90,-), 1 Jahr (sfr. 150,- / Paßfoto) oder 2 Jahre (sfr. 222,- / Paßfoto). Swiss Pass, Swiss Flexi Pass und Swiss Card sind bei der Deutschen Bahn AG und in den Reisebüros erhältlich. Informationen (über Preise usw.) erteilen auch die Agenturen von Schweiz Tourismus in Deutschland und Österreich.

Mit dem Bus

Das Postautonetz ist sehr dicht, selbst entlegenere Ortschaften werden mehrmals täglich bedient. An den größeren Postautostationen (meist bei den Bahnhöfen) sind Postauto-Ferienabonnements erhältlich
Gültigkeitsdauer 1 Monat. In der Hauptsaison bieten etliche lokale Busunternehmen Ausflugsfahrten innerhalb der Zentralschweiz, aber auch über den Gotthard ins Tessin oder ins Berner Oberland an.

Mit den Bergbahnen

Die Schweiz verfügt über ausgesprochen viele Bergbahnen (Zahnradbahnen, Seilbahnen, Sessellifte usw.). Während der Hauptreisesaison verkehren die meisten Bergbahnen rund jede halbe Stunde, manchmal auch in kürzeren Abständen.

Wissenwert

Fahrradfahren

Die wichtigste Vokabel zuerst: In der Schweiz nennt man das Fahrrad »Velo«. Und seit das Radeln nicht mehr nur automatisch mit dem Flachland in Verbindung gebracht wird, ist auch das Alpenland zu einem interessanten Ziel, einem »Veloland« geworden. Ein Netz überregionaler Radwanderwege durchzieht die Eidgenossenschaft, derzeit vier von ihnen auch die Ostschweiz: Rhein-, Alpenpanorama-, Mittelland- und Seen-Route. Daneben gibt es aber auch eine Reihe ausgeschilderter regionaler Radwanderwege. Sehr attraktiv ist der Bodenssee-Radweg. Er führt entlang des deutschen, österreichischen und Schweizer Bodenseeufers. Die kürzere Route umfaßt rund 120 km; der große Rundweg (inclusive Überlinger-, Zeller-, Gnaden- und Untersee) hat eine Länge von 260 km.

Fasnacht in Luzern

Zwar wird die bekannteste Schweizer Fasnacht in Basel gefeiert, die wildeste gehört hingegen den Luzernern. Während am Rhein den Aktiven ein passives Publikum gegenübersteht, gilt bloßes Zuschauen am Vierwaldstätter See nicht: Die tollen Tage beherrschen die ganze Stadt. Ob groß oder klein, für einen waschechten Luzerner - und im Februar gibt es offenbar nur solche - ist es Ehrensache, sich selber mit größter Begeisterung und bis zur Erschöpfung ins überbordende Treiben zu stürzen.

Eigentlich beginnt die Luzerner Fasnacht bereits am Dreikönigstag; beim traditionellen Bärteliessen geht es allerdings noch recht sittsam zu; anschließend herrscht einige Wochen lang Ruhe. Richtig los geht es dann eine Woche vor Aschermittwoch am Schmutzigen Donnerstag mit der Familie Fritschi. Seit Jahrhunderten fahren der alte Fritschi - eine schon im 15. Jh. bekannte Fasnachtsfigur - die Fritschene, seine Frau, und das Fritschikind auf einem Wagen in der Stadt ein. Begleitet werden die Fritschis von einem langen Umzug phantasievoll verkleideter und Orangen werfender Fasnächtler und den kostümierten, geschminkten oder maskierten Mitgliedern zahlreicher »Guggenmusigen«, deren ohrenbetäubendes und mit Vorliebe falsches Spiel auf Blechblas- und Schlaginstrumenten eher Lärm als Musik zu nennen ist. Die »Guggenmusigen« beherrschen die ganze Fasnachtszeit, ziehen durch die Gassen und Beizen, führen, wenn sie mal nicht spielen, theaterähnliche Szenen auf und provozieren das Publikum. Zu frechem Schabernack sind auch die zahlreichen Einzelmasken und kleinen Gruppen aufgelegt, die, mit oder ohne »Guggenmusig«-Begleitung, euphorisch tanzend, hüpfend und rennend die Straßen und Plätze mit Beschlag belegen. Abends finden in den großen Lokalen Maskenbälle und -prämierungen statt. Bis in den Morgen hinein tobt die Straßenfasnacht, durch die Gassen schränzen die »Guggenmusigen«, hinter den Hausecken schießen zahllose maskierte Gestalten hervor, die Innenstadt bebt.

Am Güdismontag, dem Montag vor Aschermittwoch, wälzt sich, sozusagen als Konkurrenz zum Fritschi-Umzug, der Wey-Umzug durch die Stadt, und am folgenden Tag gipfelt die Luzerner Fasnacht im Monsterkonzert der »Guggenmusigen«. Ist schließlich der tosende Spuk vorbei, schlafen die Luzerner erst einmal lange aus - um sich anschließend ein ganzes Jahr lang der nächsten Fasnacht entgegenzusehnen.

Museumspass

Die Museen bieten einen günstigen »Schweizer Museumspass« an, mit dem man entweder für ein Jahr oder einen Monat freien Eintritt in über 200 Museen hat. Er wird in allen beteiligten Museen, in Touristen-Informationsbüros sowie den Ticket Corners verkauft; zusätzlich gibt es eine kostenlose Broschüre mit einem Verzeichnis der teilnehmenden Museen.

Sprache

Selbst wenn die Schweizer Hochdeutsch sprechen, werden Ihnen einige Französischkenntnisse das Verständnis erleichtern. So bedeutet zum Beispiel velo Fahrrad, man parkiert sein Auto, es wird grilliert - gegrillt. Ein Schild »Glacenverkauf am Schalter« zeigt neben dem Speiseeisverkauf am Fahrkartenschalter auch die Vielseitigkeit Schweizer Bahnangestellter. Am drängendsten werden für den Reisenden die deutsch-schweizerdeutschen Sprachprobleme vielleicht bei der Lektüre der Speisekarte, einem Einkauf oder einem Gespräch über das Essen. Da gibt es beispielsweise Mahlzeiten und Stärkungen wie das Znüni oder Zvieri oder den Apéro: Das Znüni nimmt man als zweites Frühstück zwischen 9 und 10 Uhr, das Zvieri zwischen 15.30 und 17 Uhr. Der Apéro ist ein Aperitif, den man zu jeder Tages- und Nachtzeit genießen kann; manchmal bezeichnet man damit das Glas Wein vor dem Essen, manchmal versteht man darunter aber auch ein »Trinkpäuschen« zwischendurch, eine kleine Erfrischung, der nicht unbedingt eine Mahlzeit folgen muß.

Wandern

Auf schmalen Pfaden abseits der asphaltierten Straßen läßt sich die Schweiz am besten entdecken und kennenlernen. Ein paar Dinge, die dem Großstadtmenschen nicht vertraut sind, sollten hier kurz erwähnt werden. So verlockend es auch sein mag, mal durch eine hohe Blumenwiese zu spazieren, unterlassen Sie es!

Niedergetretenes Gras ist wie am Boden liegendes Getreide für den Bauern ein Verlust. Wenn jedoch ein ausgeschilderter Wanderweg als Trampelpfad durch eine Wiese führt, so können Sie dem folgen; doch dabei bitte in der Spur bleiben! Gruppen dann im Gänsemarsch! Manchmal scheinen Tore und Zäune einen ausgewiesenen Wanderweg abzusperren - das bedeutet keine Endstation für den Wanderer; man betritt nur Weiden oder Almen. Bitte schließen Sie immer Zaunlatten und Tore, auch wenn Sie keine Tiere sehen oder das Tor offenstand. Vielleicht wußte Ihr Vorgänger nicht Bescheid. Halten Sie das Wasser in den Brunnentrögen auf bewirtschafteten Alpweiden sauber, denn der Bergbauer reinigt darin sein Milchgeschirr für die Käseherstellung. Wer es schafft, seinen Proviant die Berge hochzutragen, ist auch in der Lage, den leichten Müll mit ins Tal zurückzunehmen.

Die Wanderwege sind im Hoch- wie Mittelgebirge sehr gut ausgeschildert, daneben gibt es immer wieder Hinweise auf die benötigten Gehzeiten. Zu den häufigsten Schildern im unübersehbaren Gelb, die Wege ohne besondere Gefahren für jedermann mit Wanderschuhen kennzeichnen, kommen im Hochgebirge solche mit weiß-rot-weißer Markierung. Diese erfordern geeignetes Schuhwerk mit griffigen Sohlen, wetterfeste Kleidung und natürlich eine gewisse Erfahrung im Hochgebirge.

Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden und sich nicht durch Wetterstürze in unangenehme bis gefährliche Situationen zu bringen, ist es ratsam, Erkundigungen einzuholen. Einheimische kennen »ihr« Wetter, und man sollte ihre Ratschläge ernst nehmen - auch wenn ein noch strahlend blauer Himmel beste Wanderbedingungen vortäuscht.

Auch die Höhendifferenz ist nicht zu unterschätzen: Für das Wandern gilt wie für das Bergsteigen, daß man sich erst einmal akklimatisieren und an die Höhe gewöhnen muß. Als natürliche Bremse mag dem Voreiligen beim Bergaufwandern unerwartet die Puste ausgehen, riskanter kann es vor allem für Personen mit Herz- und Lungenleiden werden, die zu früh und zu schnell sich durch Berg- und Seilbahnen in die Höhe vorwagen. Befragen Sie im Zweifelsfall besser vorher Ihren Arzt!

Unterkunft

Hotels und Pensionen

Von klassizistischen Prachtbauten im Stil der Jahrhundertwende über gemütliche Landgasthöfe bis zur preisgünstigen Familienpension ist in der Schweiz alles zu buchen. In der ganzen Schweiz hat die Hotellerie einen guten Ruf, die Unterkünfte sind sauber, die Küche in der Regel vielseitig und der Gast wird aufmerksam und freundlich betreut. Der umfangreiche Schweizer Hotelführer wird jedes Jahr neu aufgelegt und ist erhältlich bei den Reisebüros sowie beim Schweizer Hotelier-Verein (SHV), Monbijoustr. 130, 3001 Bern, Tel. 031/370 41 11.

Aufgeführt sind alle dem SHV angeschlossenen Betriebe, aufgeteilt in fünf Kategorien (***** bis*). Die mit Foto dargestellten Häuser sind mit Hinweisen auf Lage, Freizeit-, Ausflugs- und Sportmöglichkeiten, Spezialeinrichtungen (Wellness, historisches Ambiente, vegetarische Küche oder Schonkost, usw.) versehen und geben an, ob sie kinder- oder behindertengerecht und ob Haustiere erlaubt sind. Qualitativ ebenbürtig sind diesen Häusern jedoch auch zahlreiche der nicht dem SHV angeschlossenen und daher weder im Führer verzeichneten noch offiziell klassifizierten Hotels; ein Augenmerk verdienen vor allem die Pensionen. Wer mehrere Nächte im gleichen Hotel logiert, profitiert mancherorts von Vergünstigungen, außerhalb der Hochsaison (Weihnachten/Neujahr, Ostern, Juli/August) werden vielerorts günstige Pauschalarrangements angeboten.

Schweiz Tourismus verfügt über aktuelle Hotelführer und Unterkunftsverzeichnisse einzelner Regionen, darunter gibt es auch speziell auf Familien oder Senioren zugeschnittene Hotellisten, Verzeichnisse mit Landgasthöfen, Berghotels, Gruppenunterkünften und einfachen und gemütlichen - und daher preisgünstigen - Hotels (sogenannte E&G-Hotels). Ein Führer mit speziell für Behinderte geeigneten Hotels ist erhältlich beim Schweizerischen Invalidenverband, Postfach, 4600 Olten, Tel. 062/212 12 62, Fax 212 31 05.

Ferienwohnungen

In der Schweiz werden zahlreiche Ferienwohnungen angeboten. Eine einfache Unterkunft ist ab rund sfr. 350,- erhältlich; komfortablere Wohnungen und ganze Ferienhäuser, z. B. Chalets können erheblich teurer sein. Während der Hochsaison (Weihnachten/Neujahr, Ostern, Juli/August) werden viele Wohnungen nur für mindestens zwei Wochen vermietet.

Camping

Etliche Fremdenverkehrsorte verfügen über Campingplätze. Zeltplatzverzeichnisse mit detaillierten Angaben sind erhältlich beim Verband Schweizerischer Campings (VSC), Seestr. 119, 3800 Interlaken, Tel. 033/823 35 23 und 823 29 91, beim Schweizerischen Camping- und Caravaning-Verband (SCCV), Habsburger Str. 35, 6000 Luzern 4, Tel. 041/210 48 22, Fax 210 00 02, und bei Schweiz Tourismus. Während der Hauptferienzeit (Juli/August) wird frühzeitige Reservierung dringend empfohlen! Wildes Campen ist nur mit Genehmigung des Grundstücksbesitzers erlaubt.

Privatunterkünfte

In Kleinstädten und auf dem Land werden oft preisgünstige Privatzimmer angeboten. Auskunft gibt das lokale Verkehrsbüro.

Küche

In der Schweiz sind sowohl Lokale mit einheimischer Küche wie - vor allem in den Städten und größeren Orten - viele Spezialitätenrestaurants mit ausländischen Gerichten zu finden. Die Qualität gilt als durchweg gut, das Personal aufmerksam, die Lokale sind angenehm eingerichtet. Die Preise liegen allerdings, vor allem in den größeren Orten, etwas höher als in Deutschland und Österreich.

Viele Restaurants bieten mittags, oft auch abends ein oder mehrere »Menüs«, bestehend aus einer Vorspeise - meist Suppe -, einem Hauptgericht und einem Nachtisch an: Sie sind, verglichen mit A-la-carte-Service, recht günstig und rasch aufgetragen.

Hauptessenszeiten sind von 12-14 Uhr und ab 18 oder 19 Uhr am Abend. In manchen Lokalen gibt es ab 22 Uhr kein warmes Essen mehr, andere wiederum bieten den ganzen Tag über warme Küche an. Die meisten Restaurants sind an einem oder zwei Tagen pro Woche geschlossen. Bei Schweiz Tourismus ist ein Verzeichnis mit vegetarischen Restaurants erhältlich.

Reise - service

Geld

Währung: Schweizer Franken (SFr. = 100 Rappen). Die meisten Hotels und Restaurants sowie größere Geschäfte und Tankstellen akzeptieren die gängigen Kreditkarten, bei einigen ist auch die Bezahlung per ec-Direkt möglich. In der Regel ist für den Kunden die Kreditkarte die günstigere der beiden Alternativen, per »Plastikgeld« zu bezahlen - zudem fallen auch niedrigere Gebühren als bei der Bezahlung per Euroscheck an.

Notrufnummern

Tel. 117 Polizei, Tel. 118 Feuerwehr, Tel. 144 Krankenwagen, Tel. 1414 Schweizerische Rettungsflugwacht, Tel. 140 TCS-Pannendienst.

Öffnungszeiten

Geschäfte sind in der Regel Mo-Fr 9-18.30, Sa 9-17 Uhr geöffnet, bleiben aber über Mittag 1-2 Std. geschlossen; einige öffnen auch schon um 8 Uhr - Supermärkte teilweise um 7.30 Uhr - und schließen dafür früher. In den Ferienorten sind sie oft auch länger und am So geöffnet. Banken: Mo-Fr 8.30-12 u. 14-16.30 oder 17.30 Uhr (teilweise auch mittags geöffnet). Behörden: Mo-Fr 8-12 u. 14-17 oder 18 Uhr.

Post

Postämter öffnen Mo-Fr 8-12 u. 14-18, Sa 8-11 Uhr. Standardbriefe und Postkarten nach Deutschland kosten 0,90 SFr., bei Versendung als schnellere 1.-Klasse-Post(»prioritaire«) 1,10 SFr.

Stromspannung

In der Schweiz beträgt die Stromspannung 220 V Wechselstrom. Eurostecker passen nicht immer auf schweizerische Steckdosen, von daher ist es empfehlenswert, einen Südeuropa-Adapter mit schmaleren Kontakten mitzunehmen.

Telefon

Die meisten öffentlichen Fernsprecher sind Kartentelefone; Telefonkarten verkaufen die Postämter und Swisscom-Läden. Vorwahl der Schweiz aus Deutschland und Österreich 00 41, gefolgt von der Kantonskennung ohne die Null. Vorwahlen aus der Schweiz: nach Deutschland 00 49, nach Österreich 00 43.

Informationen über die Schweiz

Schweiz Tourismus, Postfach 16 07 54, 60070 Frankfurt, Info-Telefon für Prospektbestellungen und Buchungen: 00800 100 200 30 (kostenlos, europaweit), Fax: 00800 100 200 31, Internet: http://www.MySwitzerland.com, E-Mail: info@schweiz.de; Vertretung in Österreich: Neuer Markt 4, 1010 Wien, Postadresse: Postfach 34, 1015 Wien, Tel. 01/5 12 74 05, Fax 5 13 93 35.

Sehenswert

Zürich

Am Nordzipfel des schmalen Zürichsees und beidseits der Limmat liegt die heimliche Hauptstadt der Schweiz, behütet von Grossmünster, Fraumünster und St. Peter. Zürich bietet eine merkwürdige Mischung aus weltstädtischer Allüre und kleinstädtischer Traditionen.

Die Anfänge der Stadt Zürich sind auf dem Lindenhof in der westlichen Altstadt zu suchen. An Ort und Stelle ist heute nur ein kleiner Teil der spätrömischen und nachfolgenden mittelalterlichen Fundamente zu sehen, doch wegen der hervorragenden Aussicht auf das Dörfli, der Altstadt rechts (östlich) der Limmat, lohnt sich der Weg auf den Hügel.

Weltberühmt ist die Züricher Bahnhofstrasse. Es gibt Hunderte Straßen gleichen Namens, doch nur eine mit diesem symbolischen Gewicht. Trotz MacDonald und Billigläden in Bahnhofsnähe gehört sie zu den prächtigsten und teuersten Einkaufsstraßen der Welt. Zwischen Bahnhof und Zürichsee wird Geld im großen ausgegeben, aber auch angelegt. In den repräsentativen Gründerzeitbauten regieren neben den international renommierten Modeschöpfern auch die "Gnome", die Züricher Bänker. Zugleich ist die Limmatstadt kulturelles Zentrum der Schweiz. Schweizerisches Landesmuseum, Kunsthaus und Museum Rietberg sowie Spezialmuseen und Sammlungen laden ein zu einer Reise durch Zeit und Raum.

Vierwaldstätter See - Luzern - Pilatus

Kein anderer Landesteil kommt dem Bild der »typischen« Schweiz näher als die Zentralschweiz. Wer das Ursprüngliche und Echte, das Bodenständige und Stetige und damit die Symbole - und auch Klischees - sucht, die mit der Schweiz gemeinhin in Zusammenhang gebracht werden, glaubt sie am ehesten im Land rund um den Vierwaldstätter See zu finden.

Seinen Namen erhielt der Vierwaldstätter See von den vier Waldstätten, und damit ist er ein historisches Symbol in der Schweiz. Zwar waren die Waldstätten ursprünglich nur ihrer drei, aber zu Uri, Schwyz und Unterwalden, die anno 1291 am Vierwaldstätter See die Schweiz aus der Taufe hoben, gesellte sich bald Luzern. Und somit war das Quartett komplett.

Die Route rund um den Vierwaldstätter See kann zum größten Teil mit dem Auto zurückgelegt werden, über gewisse Strecken verkehren zudem Zug oder Bus. Als Verkehrsmittel besonders zu empfehlen ist jedoch das Schiff. Die vielfältige Naturschönheit der einzelnen Buchten, Uferlandschaften und landschaftlichen Kulissen hinterläßt vom Wasser aus einen besonders nachhaltigen Eindruck. Gleich vier Seebecken öffnen sich, wenn das Schiff den sogenannten Kreuztrichter durchquert. Und wo, etwa bei Vitznau oder Stansstad, der See zu enden scheint, öffnet sich nach der Durchfahrt einer engen Stelle eine weitere Bucht. Eindrucksvoll ist der Blick auf die nahen Höhen und berühmten Gipfel wie Pilatus, Rigi und Bürgenstock und zu etlichen weiteren Ausflugsbergen am See. An manchen Stellen tauchen am Horizont gar schneebedeckte Viertausender des Berner Oberlandes auf.

Luzern

Mit 60.000 Einwohnern ist die kulturelle, politische und wirtschaftliche Drehscheibe der Zentralschweiz zwar die kleinste unter den »großen« Schweizer Städten, als Zentrum des Schweizer Fremdenverkehrs aber seit über 100 Jahren weltbekannt. Wer Luzern sagt, meint jedoch nicht nur die Stadt, sondern vor allem auch deren einmalige Lage am Ausfluß des Vierwaldstätter Sees: eingebettet in eine liebliche Hügellandschaft und bewacht vom stolzen Hausberg Pilatus und den Gipfeln der Rigi.

Stattliche Zunft- und Bürgerhäuser, enge Gassen, schöne Kirchen, die alte, zinnengekrönte und turmbewehrte Stadtmauer und hölzerne Brücken prägen den mittelalterlichen Stadtkern. Lombardische Händler haben ihre architektonischen Spuren hinterlassen, eine unverkennbar südliche Atmosphäre liegt in der Luft, an manchen Sommertagen greifbar nah. Von Verschlafenheit kann jedoch keine Rede sein. Luzern verbindet die Idylle mit der Moderne, präsentiert sich geschäftstüchtig, offen und lebendig. In der Hochsaison bummeln die Gäste aus nah und fern in Scharen durch die Gassen und über die Plätze der Altstadt, entdecken an Weinmarkt, Weggisgasse, Hertensteinstraße und vielerorts mehr die zahlreichen Boutiquen, Schmuck- und Antiquitätenläden; Einheimische wie Auswärtige bevölkern die Boulevardcafés an der Reuss. Am Seeufer herrscht ein Kommen und Gehen, laufen Raddampfer und andere Ausflugsschiffe aus, legen Ruder- und Segelboote an.

Luzern ist Weltstadt en miniature, in mancher Hinsicht aber Dorf geblieben: Die ländliche Beschaulichkeit der Umgebung zieht sich bis in die Stadt hinein, die Einheimischen haben sich ihren eigenständigen freundlichen und geselligen Charakter von den vielen Fremden nicht nehmen lassen.

Die Zahnradbahn auf den Pilatus hievte bis heute Hunderttausende von Ausflüglern und Touristen aus aller Welt über hohe Felsen und durch Tunnels auf den Hausberg der Stadt Luzern und - neben der Rigi - markantesten Gipfel am Vierwaldstätter See. Das Ehrfurcht gebietende, mit mehreren Zacken bestückte und sagenumwobene Bergmassiv umfaßt als höchsten Gipfel das Tomlishorn (2.132 m), zum Vierwaldstätter See hin den Pilatus-Kulm (2.121 m), im Westen das Widderfeld (2.075 m) und im Norden, etwas vorgelagert, Klimsen (1.906 m) und Windegg (1.673 m). Ein Lehrpfad orientiert über die geologische Geschichte des Berges und der Umgebung. Mit Gondel- und - nach einer Umsteigestation - mit Kabinenbahn ist der Pilatus ebenfalls ab Kriens, auf der anderen Seite des Berges, zu erreichen.

St. Gotthard

Der Gotthardstock ist das Herz der Alpen: Hier entspringen Rhone, Reuss, Rhein und Ticino und fließen in alle vier Himmelsrichtungen. Zugleich ist der Gebirgsstock aber auch das große Hindernis auf dem Weg von Nord nach Süd - oder vice versa: Schon die Römer zogen wahrscheinlich über den Gotthard, wenngleich nur als Händler; als Heerstraße wurde dieser Paß nicht genutzt. Das erste Hospitz ist abgebrannt, ein zweites wurde 1799 bei Kämpfen zwischen Franzosen und Russen ebenfalls zerstört.

Der Übergang über den Paß wurde stets verbessert und komfortabler ausgebaut; 1830 war die Fahrstraße über den Gotthard fertig, doch 1872 begannen die Bauarbeiten zur Gotthardbahn. Der leitende Ingenieur Louis Favre starb 1879 an einem Herzinfarkt im Tunnel, und insgesamt mußten 177 Todesfälle verzeichnet werden. Vor allem Italiener arbeiteten im Tunnel - nachdem die Tessiner nachdem die Tessiner jahrhundertelang selbst Gastarbeiter in Italien gewesen waren. 1882 war der 15 km lange Eisenbahntunnel durchstoßen: Eine neue Zeitrechnung begann. 1967 wurde die neue Panoramastraße über den Gotthard fertig. Zwei Jahre später entwickelte sich Airolo zum Verkehrsknotenpunkt: Übers Bedretto-Tal gelangt man nun mit dem Auto auf den Nufenen-Paß, der mit 2.480 m der höchste auf Schweizer Gebiet ist.

Allenthalben sieht man in der Leventina Lawinenverbauungen, um das Tal zu schützen, doch gegen die Verkehrslawine, die zur Hochsaison hindurchrollt, scheint man machtlos. Brachte in früheren Jahrhunderten der Transport von Gütern und Menschen dem Tal Wohlstand, so scheint heute die Belastung zu überwiegen. 1980 wurde der Straßentunnel eröffnet; heute rollen über 6,5 Millionen Fahrzeuge hindurch, fast neunmal so viele wie im ersten Jahr. Vor verlängerten Wochenenden, wenn Deutschschweizer in ihre Rustici ausschwärmen, staut sich die Autokolonne nach Süden; sonntags nachmittags dann dasselbe Bild nordwärts bei Airolo. So gibt es eine starke Tessiner Lobby für eine zweite Tunnelröhre, trotz Ozon-Höchstwerten. Das aber würde nur noch mehr Verkehr anlocken. Folgt dann als nächste Forderung der sechsspurige Ausbau der Autobahn in der Leventina? Und dann?

Zermatt - Gornergratbahn - Matterhorn

Ein berühmtes Dorf, behütet von einem Gipfel- und Gletscherkranz, dominiert von der legendären Pyramide des Matterhorns: Rund um Zermatt erwarten uns 28 der 38 Schweizer Viertausender. Die Gegend war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Über den Theodulpaß trieben die Zermatter im Mittelalter Handel mit Italien. Bereits 1839 fanden sich die ersten Fremden - wie vielerorts in den Schweizer Alpen waren es vor allem abenteuerlustige Engländer - in der ersten kleinen Herberge eines Arztes ein. Vorerst waren es rund ein Dutzend pro Jahr. Dies änderte sich, nachdem Alexander Seiler, Begründer einer weltbekannten Hotelierdynastie, das Haus gekauft, umgebaut und 1854 als »Bergsteigerhotel Monte Rosa« eröffnet hatte.

Seither gilt Zermatt als Stützpunkt ersten Ranges für die Alpinisten. Einige von ihnen sind für immer dageblieben; sie ruhen auf dem Friedhof an der Vispabrücke. Das beschauliche Dorf mußte einer - wenn auch harmonisch in die Landschaft eingefügten - Bergstadt weichen. Im südlichen Dorfteil sind noch letzte Zeugen des alten Zermatt auszumachen. Das Dorf ist autofrei, es verkehren moderne Elektromobile und nostalgische Pferdekutschen.

Als Hauptanziehungspunkt gilt die 600 m lange Dorfstraße, gesäumt von Hotels, mondänen Geschäften und charakteristischen sonnenverbrannten Holzhäusern mit prächtigem Blumenschmuck. Sehenswert ist auch die 1913 errichtete Kirche mit drei prächtigen Barockaltären aus dem 18. Jh.

Im Jahr 1904 wurde in der Nähe der heutigen Post das Alpine Museum gegründet. Es dokumentiert die Erschließung der Walliser Täler und Berge und zeigt alte kartographische Werke. Die volkskundliche Sammlung wartet mit altem Mobiliar, Mineralien, frühgeschichtlichen Funden und einer Darstellung der einheimischen Flora und Fauna auf.

Die Gornergratbahn darf ohne Zweifel als eine technische Leistung der Superlative bezeichnet werden. Ab 1896 erbaut, wurde die Bahn 1898 als erste elektrische Zahnradbahn der Schweiz eingeweiht. Heute noch ist sie die höchstgelegene ohne technische Hilfsmittel frei im Gelände angelegte Zahnradbahn Europas. Vom Bahnhof Zermatt bis auf den felsigen Rücken des Gornergrats mißt die Strecke rund 10 km. Die Fahrt vermittelt großartige Ausblicke, der letzte Streckenabschnitt verläuft hoch über dem Gornergletscher.

Wo heute das moderne Hotel auf der Riffelalp steht, wurde 1856 das erste Berggasthaus der Region Zermatt errichtet. Bauherr war der berühmte Alexander Seiler, welcher als Pionier des Zermatter Tourismus und als bedeutender Förderer des ganzen Mattertals gilt. Im Jahr 1961 vernichtete ein Brand das historische Gebäude, verschont geblieben sind allein die ehemaligen Wirtschaftsgebäude. Unweit vom Hotel erblicken wir eine reformierte und eine katholische Kapelle. Beeindruckender als die Bauten ist jedoch die Aussicht: Im Südwesten kommt hinter dem Riffelberg erstmals das Matterhorn in Sicht, auf der gegenüberliegenden Talseite grüßen die imposanten Gabelhörner.

»Berg aller Berge«, »Sphinx aus Stein«, »König der Alpen«, »Archetyp eines Berges«, »schönster Berg der Alpen«, »schönste Felspyramide paläozoischen Alters auf diesem Planeten« - nur die großartigsten Bezeichnungen scheinen dem Charakter und der Gestalt des berühmten Matterhorns gerecht zu werden. Der Chronist Werner Kämpfen beschreibt es gar als »phantastisches Felsenriff, das da aus einer Welt des Chaos und des Umsturzes, aus einem zu Eis erstarrten Meer nackt und unvermittelt bis an den Rand des Himmels springt«.

Die Faszination des »Hore« (Horn), wie die Zermatter ihren Hausberg nennen, ist seit Jahrhunderten ungebrochen. Heutzutage wird die 4.478 m hohe Pyramide jährlich rund 3.000 mal bezwungen. Für geübte Bergsteiger auf der Zermatter Seite kein schwieriger Kletterberg, ist das »Hore« dennoch nicht zu unterschätzen. Jährlich behält der Berg 10-20 Menschen; allzuoft sind sie Opfer ihres eigenen Leichtsinns geworden.

Tessin - Lugano

Irgendwo ist immer Frühling im Tessin. Schon Ende Februar blühen am Lago Maggiore knallbunte Tulpen in den Parkanlagen, im März überzieht sich der Waldboden mit Traubenhyazinthen und Schlüsselblumen, im April beginnt die Baumblüte, im Mai betört der Ginster mit seinem Duft den Spaziergänger. Danach braucht man nur Monat für Monat höherzusteigen, um hier Schneeglöckchen, da Alpenrosen oder Enzian aus letzten Schneeresten herausspitzen zu sehen. Und wenn schließlich im Hochgebirge der Winter schon wieder beginnt, dann kann es sein, daß auf der Brissago-Insel San Pancrazio die indische Lotosblüte ihre wundersam schönen Blüten entfaltet.

Sicherlich macht die üppige Vegetation den großen Reiz des Tessin aus, gesteigert durch die Kontraste von alpiner und submediterraner Landschaft. Während die Palmen am Lago Maggiore im warmen Wind des insubrischen Klimas mit ihren Blättern fächeln, glänzt am Horizont schneebedecktes Gebirge. Die Kontraste setzten sich in der Kultur fort. Italianità prägt das Lebensgefühl, aber die Postbusse verkehren pünktlich auf die Minute. Schließlich sind wir in der Schweiz und nicht in Italien, auch wenn Italienisch die Amtssprache ist.

Die größte Stadt des Tessin breitet sich in einer weiten Bucht des nach ihr benannten Sees aus. Lugano, eine mediterrane Stadt mit nördlicher Geschäftigkeit. Eingerahmt von den beiden Zuckerhüten Monte Brè und Monte San Salvatore und von nicht zu überbietender landschaftlicher Schönheit, war der Flecken schon in vorrömischer Zeit besiedelt.

Bei einem Nachmittags-Cappuccino oder Frühabend-Cocktail auf der Piazza della Riforma spürt man es ganz deutlich: Lugano zieht Touristen an - aber nicht nur die. Als viertgrößte Bankenstadt der Schweiz ist der Ort mit seinem südlichen Ambiente auch Ziel vieler Geschäftsreisenden. So sieht man in den Straßencafés auf dem größten Platz der Stadt Wanderer mit Trekkingschuhen an den Füßen, die glücklich seufzend ein kühles Bier bestellen, Familien, die den Nachwuchs mit Eis ruhigstellen, Büroschönheiten, die die Abendverabredung klarmachen sowie Handy- und Krawattenträger jeden Alters.

Für den Spaziergang nach Paradiso, dem Stadtteil mit der größten Hotel- und Appartementdichte, bietet sich die kilometerlange Seepromenade an. Durch einen Grünstreifen etwas abgeschirmt vom Autoverkehr, schlendert man an der weiten Luganer Bucht entlang. Im Blickfeld hat man so die beiden Berge, die Lugano umrahmen und die beide mit Seilbahnen erreicht werden können: Monte Brè und Monte San Salvatore. Auf ersteren führt eine Standseilbahn; der Blick von hier aus reicht über den See und weit in die Alpen hinein. Vom Monte San Salvatore hingegen kann man schon die lombardische Tiefebene überblicken. Dank seiner exponierten Lage wird der San Salvatore besonders häufig von Blitzschlägen heimgesucht, was ihm zu wissenschaftlichen Ehren verhalf: Auf dem Gipfel wurde eine Blitzmeßstation errichtet.